Entwicklung in der Biophysik: Die Spinnenseide
Filed Under (Biophysik) by Redakteur on 13-07-2010
Jeder Mensch auf dieser Erde hat schon einmal ein Spinnennetz gesehen. Sicher hat nicht jeder auch dabei an die Biophysik gedacht, sondern eher fasziniert dabei zugesehen, wie sich ein Beutetier, das sich in diesen Fäden verirrt hat, in den Tod gewunden hat. Es gibt selten ein Entrinnen, wenn sich ein Insekt in diesem Fadennetz verfangen hat. Die dehnbaren und reißfesten Stränge sind einfach zu stark, um sie zerreißen zu können. Eben diese Eigenschaften der Spinnenseide hat nun Forscher aus dem Bereich der Biophysik auf den Plan gerufen. Sie wollen die Merkmale der Seide nutzen, um sie auch für den Menschen einsetzen zu können.
Die Spinne fertigt ihre Fäden aus langkettigen Eiweißen. Diese Bausteine heißen in der Fachsprache Spidroide. In der Spinndrüse entstehen diese Proteine, danach werden sie durch den Spinnkanal zur Spinnwarze verbracht, wo der fertige Faden aus dem Körper austritt. Wie aber schafft die Spinne es, die in flüssiger Form im Körper gebildeten Eiweiße zu festigen, um den Faden zu produzieren? Auf dem Weg aus der Spinndrüse zur Spinnwarze werden bestimmte Signale ausgesandt, die für das rechtzeitige Verfestigen der Proteine sorgen. Im Spinnkanal finden sowohl chemische, als auch mechanische Vorgänge statt, die für eine künstliche Herstellung der Spinnenseide nun erforscht und umgesetzt werden müssen.
Eingesetzt wird Spinnenseide zum Beispiel in der Medizin, als Nahtmaterial nach Operationen. Der Chirurg kann natürlich nicht die Seide verwenden, die die Spinnen auf natürlichem Wege produzieren. In der Biophysik hat man Mittel und Wege gefunden, die künstlich hergestellten Fäden so aufzubereiten, dass sie optimal einsetzbar sind. Auch in schusssicheren Westen, so genannten Kugelwesten, kommen diese Materialien und auch die Anordnung der Fäden, wie die Spinne sie vormacht, zur Anwendung.
